Mit Deep Learning schnell die besten Fotos auswählen

Das Smartphone hat die Fotografie grundlegend verändert. Die permanente Verfügbarkeit der im Telefon verbauten Kamera ermöglicht es Nutzern, nahezu jeden Moment des eigenen Lebens festzuhalten. Tag für Tag entstehen auf diesem Wege gigantische Bild- und Datenmengen. Der Fotodienstleister CEWE setzt auf neuronale Netze, um seine Kunden künftig bei der Sichtung und Bewertung dieser Bilder zu unterstützen.

Mann betrachtet seine Fotos auf dem Smartphone

Weitaus mehr Bilder entstehen heute per Smartphone als per Digitalkamera. Gleichzeitig hat sich das Aufnahmeverhalten der Nutzer gewandelt. Fotografiert werden zwar immer noch besondere Erlebnisse und unvergessliche Momente. Deutlich öfter aber drücken die Handy-Besitzer aus rein informativen oder kommunikativen Zwecken ab – das Foto wird zur visuellen Gedankenstütze oder zur Kurzmitteilung für Freunde. Entsprechend groß ist die Bilderflut auf den Geräten; durch das Teilen via App oder Sozialen Medien wächst sie weiter. Aufgrund der schieren Menge lassen sich die Fotos im Nachgang weder kuratieren, organisieren noch gestalten. Auch wichtige Aufnahmen verschwinden so in den Tiefen immer größer werdender Speichermedien – und werden seltener ausgedruckt.

KI erkennt relevante und gut gemachte Aufnahmen

Der Fotodienstleister CEWE will Hobby-Fotografen bei der Bewältigung der Datenflut unterstützen – mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Das Oldenburger Unternehmen hatte bereits 2006 eine Software zur Gestaltung von Fotobüchern auf den Markt gebracht. Grundlage waren Algorithmen, die nicht nur die technisch besten Bilder auf einem Gerät identifizieren konnten, sondern – mit Hilfe von intelligentem Clustering – auch die relevantesten. Allerdings sind das automatische Finden der wesentlichen Bilder und das Ermitteln und Präsentieren sinnvoller Ereignisse mit klassischen, auf Algorithmen und Heuristiken basierenden Methoden nicht mehr zu leisten. CEWE setzt daher auf Deep Learning. Notwendig sind hierfür vor allem relevante Daten in großer Menge, wie sie in der mobilen Fotografie ja ausreichend produziert werden.

Im Fokus der von CEWE entwickelten KI-Anwendungen stehen neuronale Netze, die angelernt werden, um beispielsweise das beste Bild einer Serie zu ermitteln. Dabei kommen grundlegende Regeln der fotografischen Gestaltungslehre zur Anwendung, wie etwa die Drittel-Regel, die sich an der Proportionslehre des Goldenen Schnitts anlehnt. Auch Aufnahmen mit relevanten Personen und Orten lassen sich automatisch detektieren. Mittels Gesichtserkennung werden Fotos mit Personen automatisch zusammengefasst. Die eingesetzte Objekterkennung basiert auf einem extensiven Thesaurus und gruppiert passende Bilder z. B. nach Stichwörtern wie „Strand“ oder „Berge“. Eine Ortserkennung rundet die Bildorganisation durch das geographische Clustering ab. Bilder von gewünschten Personen, in einem favorisierten Setting und mit passenden zeitlichen Parametern lassen sich so suchen und filtern. Für den Kunden bedeutet das perspektivisch: eine bessere Auswahl an Fotos in kürzerer Zeit.

Positives Feedback aus der Branche

Noch ist die neue Technologie in der Entwicklung und nicht kommerziell einsatzbereit. Gemeinsam mit seinem Entwicklungspartner, dem ebenfalls in Oldenburg ansässigen OFFIS – Institut für Informatik, hat CEWE aber bereits erste Use Cases definiert und getestet. Auf der Fotomesse photokina in Köln sorgten diese für ein positives Echo. Da es für eine komplett KI-gesteuerte Lösung zur Bildauswahl und -bearbeitung noch Zeit braucht, fährt CEWE aktuell zweigleisig: So können einzelne Teillösungen schon vorab in die am Markt verfügbaren Anwendungen integriert werden.

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz erfordert in einem so persönlichen Bereich wie der Fotografie Verantwortung. Bei CEWE hat man aus diesem Grund eine Kunden-Charta verabschiedet. Sie besagt, dass bei allen technischen Lösungen – aktuellen und künftigen – immer der Nutzen des Menschen und die Sicherung der Privatsphäre im Vordergrund stehen. Ob der Kunde die technischen Möglichkeiten nutzen will, bleibt ihm überlassen: Wer seine Bilder ohne die Hilfe von KI bearbeiten will, kann die entsprechende Option abwählen.

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Christian Friege, CEO der CEWE Stiftung & Co. KGaA und Mitglied der Arbeitsgruppe 4, beantwortet unter anderem die Frage, warum CEWE Künstliche Intelligenz für seine Fotoservices nutzt.