Krankheiten einfacher diagnostizieren

Sie fühlen sich unwohl und suchen im Internet nach Erkrankungen, die zu ihren Symptomen passen? Viele Menschen konsultieren heute bei Beschwerden lieber Web-Angebote statt einen Arzt. Folgen sie dabei den Tipps und Diagnosen zweifelhafter Quellen, kann das kontraproduktiv oder gar gefährlich werden. Dass man sich auch digital medizinisch gut beraten lassen kann, zeigt „Ada“. Die vielfach ausgezeichnete App will allen Patientinnen und Patienten eine personalisierte Gesundheitsversorgung ermöglichen – auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI).

App Ada beim Kommunizieren mit einem Patienten.
App Ada (©Ada Health GmbH)

„Was beschäftigt dich am meisten?“
„Ohrenschmerzen.“
„Wie lange hast du bereits diese Beschwerden?“
„Länger als ein Jahr.“
„Betrifft dies ein oder beide Ohren?“

Der Dialog könnte – etwas förmlicher gehalten – aus einer beliebigen Allgemeinarztpraxis irgendwo in Deutschland stammen. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem unspektakulären Gespräch eine App, die eine „digitale Gesundheitsrevolution“ auslösen könnte. Das glaubt zumindest Martin Hirsch, der als Gründer und Chief Scientific Officer der Ada Health GmbH in Berlin das medizinische Assistenzsystem „Ada“ entwickelt hat. Mit einem klaren Ziel. „Die Zukunft der personalisierten Gesundheitsversorgung für jeden Menschen zugänglich zu machen“, so Martin Hirsch.

KI statt Kunstfehler

Martin Hirsch, Gründer und CSO der Ada Health GmbH
Martin Hirsch, Gründer und CSO der Ada Health GmbH (©Ada Health GmbH)

Rund 95 Prozent der Deutschen recherchieren im Internet ihre Krankheitssymptome. Falsche Selbstdiagnosen, abgesagte Arztbesuche oder unbegründete Ängste sind oft die Folge. Der Symptomcheck, den Ada per Smartphone bietet, arbeitet hingegen gründlich und individuell. Nach Eingabe von Basisdaten wie Alter, Geschlecht oder Grunderkrankungen entwickelt sich ein intensives Frage-und-Antwort-Spiel zwischen dem Patienten und der „digitalen Gesundheitshelferin“. Bei den eingangs geschilderten Ohrenschmerzen stellt Ada 25 Fragen, etwa nach Kiefer- und Kopfschmerzen, bis sich für sie ein klares Bild ergibt.

Für ihre App setzen Martin Hirsch und seine mittlerweile 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Künstliche Intelligenz. In den vergangenen sieben Jahren haben sie ein selbstlernendes System entwickelt und trainiert, das mit der Zeit immer besser wurde. Es hilft zum einen Patientinnen und Patienten: Nach der virtuellen Auskunft gehen sie besser informiert und potenziell in einer früheren Krankheitsphase zum Arzt. Zugleich profitieren Ärztinnen und Ärzte: „Künstliche Intelligenz ist notwendig, um die Menge des Wissens in der Medizin überhaupt beherrschbar zu halten“, glaubt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse. Die Ersatzkasse bietet ihren Versicherten den Symptomcheck seit Anfang 2019 in einer eigenen App an. Jens Baas hält KI-Systeme für unverzichtbar: „Ich bin überzeugt, dass es in zehn Jahren als Kunstfehler gelten wird, Diagnosen zu stellen, ohne ein digitales Expertensystem zu nutzen.“

„Dann solltest du zum Arzt gehen“

Fünf Millionen Menschen vertrauen bereits auf die medizinische Expertise und das hohe Datenschutzversprechen von Ada Health. Doch es gibt auch kritische Stimmen. So befürchtet etwa der Ärzteverband Hartmannbund eine Einmischung der Kassen in das Arzt-Patienten-Verhältnis. Insgesamt aber ist der Ansatz, das rapide wachsende medizinische Wissen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz zu nutzen, vielversprechend – insbesondere, wenn es um die Erkennung von seltenen Krankheiten geht. Ada will künftig die Symptome von rund 7.000 bekannten seltenen Krankheiten in sein System einfließen lassen.

Der fiktive Patient mit den Ohrenschmerzen ist derweil einer Diagnose nah: Am wahrscheinlichsten sei eine „kraniomandibuläre Dysfunktion“, also ein unangenehmes Gefühl im Kiefergelenk, bei dem der Schmerz häufig als Ohrenschmerz fehlgedeutet wird, analysiert Ada. „7 von 10 Personen mit den gleichen Symptomen haben diese Erkrankung“, erklärt die Gesundheitshelferin. Und rät: „Wenn du davon ausgehst, dass diese Erkrankung bei dir vorliegt, solltest du einen Arzt aufsuchen“. Ob die klassische Suchmaschinenrecherche ein ähnliches Ergebnis geliefert hätte?

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