Ask Sherlock

Ein Unternehmen ist ein riesiger dezentraler Wissensspeicher – viele Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen liegen verteilt in den Händen und Köpfen der Beschäftigten. Wer Antworten auf spezifische Fragen sucht, benötigt ein gutes Wissensmanagement-Tool. Die Unternehmensberatung Accenture setzt mit Ask Sherlock auf ein selbstlernendes System.

Alltag in internationalen Projektteams: Ein Prozess gerät ins Stocken, weil sich ein weiterführender Schritt als unerwartet komplex erweist. Das Team fahndet nach Lösungen, wertvolle Zeit verstreicht. Besonders ärgerlich ist das, wenn das benötigte Know-how im Unternehmen vorhanden ist – weil etwa Kolleginnen und Kollegen an anderer Stelle bereits vergleichbare Schwierigkeiten umschiffen mussten.

Wissen, wer’s weiß

Einen funktionalen Austausch innerhalb einer Organisation zu gewährleisten, Expertinnen und Experten zu identifizieren und Wissen zu analysieren, sind maßgebende Wege für mehr Effizienz und Produktivität. Für ihr internes Wissensmanagement nutzt die Unternehmensberatung Accenture Künstliche Intelligenz (KI) als Navigationssystem und hat dafür Ask Sherlock entwickeln lassen. Das Prinzip der selbstlernenden KI-Lösung: Der Nutzer stellt eine Frage, beispielsweise über eine mobile App, Skype oder SharePoint. Sherlock analysiert die Frage und prüft, ob sie unternehmensweit bereits gestellt wurde. Ist dies der Fall, wird die Antwort sofort angezeigt. Ist die Frage neu, analysiert das System die Datenbasis und identifiziert geeignete Expertinnen und Experten innerhalb des Netzwerks. Diese antworten und das selbstlernende Wissensnetzwerk formt sich.

Um Sherlock zum Laufen zu bringen, bedurfte es freilich einer kleinen Starthilfe. Initial wurde das System mit mehr als 120 Fragen aus unterschiedlichen Bereichen des Unternehmens gefüttert und diese mit Schlagworten verbunden. Basierend auf der Arbeit und den Aktivitäten der Beschäftigten erstellt der selbstlernende Algorithmus individuelle Profile und verbindet diese mit Schlagworten. Je nach Expertise gestaltet sich die Verbindung stärker oder schwächer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst können ihr Profil nicht verändern – es wird ausschließlich über ihre Tätigkeiten und Arbeitskenntnisse gesteuert. So entsteht ein Wissensnetzwerk, das über die Dauer seiner Nutzung selbständig wächst. Die Teilnahme an Ask Sherlock ist dabei freiwillig und die Fragen werden anonym gestellt, damit niemand Angst haben muss, eine „dumme Frage“ zu stellen.

Anerkennung durch Expertise

Ask Sherlock wurde bei Accenture in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Sommer 2017 bis Anfang 2018 in einem Pilotprojekt getestet. Nun ist das Programm live und es geht darum, das Tool möglichst effektiv in die bestehenden Arbeitsprozesse zu integrieren. Laut Accenture rechnet sich das Tool: Ask Sherlock spare durchschnittlich über zwei Stunden Arbeitszeit pro beantworteter Frage und löse 95 Prozent der Anfragen. In den ersten drei Monaten wurden bereits mehr als 850 Fragen gestellt und über 1100 Antworten zu rund 1700 Themen gegeben - Informationen, auf die dank Sherlock nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach Zugriff haben. „Das Beste an Ask Sherlock ist, dass man nicht nur eine Information bekommt, sondern auch die dazugehörigen Experten in der Organisation findet und ein Netzwerk aufbauen kann,“ sagt Jens Frühling, der als Experte für künstliche Intelligenz bei Accenture Sherlock mitentwickelt hat.

Denn auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Experten unterstützen, profitieren von der Wissensmanagement-Lösung: Wissen in das Unternehmen einzubringen, stärkt die individuelle Anerkennung. Hierarchien spielen eine untergeordnete Rolle, weil allein die spezifische Kompetenz zählt. Versteckte Talente werden so leichter zu Tage gefördert. Zudem festigt der Sharing-Gedanke eine kollaborative Unternehmenskultur und den Team-Spirit.

Accenture

KI-Anwender
Großunternehmen
Webseite

KI-Entwicklungspartner
Starmind International

Fakten zur Anwendung


Technologiefeld
Datenmanagement und -analyse
Anwendungsbranche
Mobilität und Logistik
Einsatzfeld
  • Wissensmanagement
Wertschöpfungsaktivität
Research and Development [R&D]