Anträge in der Verwaltung schneller bearbeiten

Das Sichten und Auswerten von Akten nimmt in Behörden sehr viel Zeit in Anspruch. Entsprechend lange dauert oft die vollständige Bearbeitung einzelner Fälle. Wie ein KI-basiertes System die Arbeitsprozesse in der Verwaltung beschleunigen kann, zeigt das Beispiel der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM), einer Trägerin der gesetzlichen Unfallversicherung.

Die BG ETEM nutzt seit 2019 erfolgreich Künstliche Intelligenz im Unternehmen, um die Verwaltungsaufgaben schneller und effektiver zu gestalten. © smolaw/Shutterstock

Etwa 180.000 Berichte zu Arbeitsunfällen landen jährlich auf den Schreibtischen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Unfallsachbearbeitung der BG ETEM. Ein großer Teil davon, insbesondere die rund 55.000 meldepflichtigen Arbeitsunfälle, wurden noch bis vor kurzem von Hand geprüft. Die Zahlen lassen es erahnen: Es droht ein Bearbeitungsstau. Ein Grund dafür ist der Personalmangel in der öffentlichen und privaten Verwaltung. Ein weit größerer die ständig wachsende Flut an digitalen Daten. Was, wenn sich der Arbeitsprozess mit Hilfe lernender Systeme beschleunigen ließe?

KI optimiert das Regressmeldeverfahren

Die BG ETEM setzte diese Wunschvorstellung um. Seit 2019 erleichtert Künstliche Intelligenz den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die tägliche Arbeit. Die intelligente Software scannt jede neue Unfallaufnahme automatisch und gleicht die zugehörigen Daten anschließend mit Millionen bereits abgeschlossener Arbeitsunfälle ab. Die KI kann innerhalb kürzester Zeit für jeden Unfall eine schnelle und unkomplizierte Empfehlung für eine Regressnahme geben. Regressfähige Unfälle können von den Beschäftigten schnell und effektiv entdeckt und bearbeitet werden. 

Konkret erkennt die selbstlernende KI-Software Muster in erfolgreichen Regressfällen, wendet diese auf neue und unbekannte Fälle an und erstellt so fallgenaue Prognosen von Regresswahrscheinlichkeiten und anfallende Unfallkosten. Die KI fertigt permanent Entscheidungsbaum-Modelle an. Kostenprognosen sind dadurch für alle Beteiligten gut nachvollziehbar.

Entscheidungen trifft weiter der Mensch

Neben der schnellen Analyse bringt das KI-System einen weiteren Vorteil: Mancher Regressfall wurde bei der manuellen Bearbeitung nicht entdeckt, wodurch Einnahmen in beträchtlicher Höhe verloren gingen. Etwa 1,1 Millionen Euro konnte die BG ETEM mit dem Einsatz der Technologie bereits in der Einführungsphase des Systems seit 2019 einsparen. 

Schafft das KI-System künftig Arbeitsplätze ab? Jörg Botti, Mitglied der Geschäftsführung der BG ETEM, betont, dass dem nicht so sei – und die KI die Menschen in der Verwaltung unterstütze. „Die Entscheidung, für welche Fälle ein Regressverfahren gestartet wird, liegt weiter bei einem Menschen, wird jedoch durch das KI-Tool enorm erleichtert“. Im September 2020 wurde die BG ETEM für ihr System beim eGovernment-Wettbewerb mit einem ersten Preis in der Kategorie „Bestes Projekt zum Einsatz innovativer Technologien 2020“ ausgezeichnet.

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