Pflanzenkrankheiten und Schädlinge per App erkennen

Den Hunger in der Welt beenden? Ein Start-up aus Berlin möchte mit Künstlicher Intelligenz dazu beitragen, dass dieser alte Menschheitswunsch endlich Wirklichkeit wird. Die App Plantix diagnostiziert mit Hilfe eines einzigen Handyfotos Krankheiten von Pflanzen und zeigt Landwirten in Entwicklungsländern verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auf. Ernteausfälle sollen dadurch minimiert werden.

Bauer untersucht seine Baumwollernte auf Krankheiten
Mit nur einem Klick: Ein indischer Bauer untersucht seine Baumwollpflanzen mit seinem Smartphone auf Krankheiten © PEAT GmbH

Blattläuse, Pilze, Würmer und Bakterien sorgen jedes Jahr für einen enormen Ernteausfall in vielen Regionen der Welt. Besonders in Entwicklungsländern haben Kleinbauern mit Schädlingen und Parasiten zu kämpfen und stehen diesen oftmals hilflos gegenüber.

Die Geografin Simone Strey wollte für dieses Problem schon während ihres Studiums eine Lösung finden. Im Jahr 2015 gründete sie das Start-up PEAT und entwickelte mit ihrem Team die App Plantix. Diese kann aktuell rund 400 Krankheiten und Nährstoffmängel an 30 verschiedenen Nutzpflanzenarten erkennen. Landwirte oder Gärtner erfahren dabei nicht nur, was der Pflanze fehlt, sondern erhalten auch konkrete Empfehlungen zur Krankheitsbehandlung.

KI-gestützte Bilderkennung zur Pflanzenanalyse

Und so funktioniert die App: Plantix lokalisiert nach der Installation den Standort des Smartphones und fragt nach der Art des Anbaus der Pflanze, ob im Garten oder auf dem Feld. Acht verschiedene Obst- und Gemüsesorten – zum Beispiel Kartoffeln, Zwiebeln, Reis oder Bananen – können aus einer Liste ausgewählt werden. Der Nutzer schießt ein Foto einer kranken Pflanze und sendet es unter dem Menüpunkt „Gesundheitscheck“ an den Plantix-Server. Dort wird das Bild von einer KI auf bekannte Muster hin analysiert. Sekunden später erhält der Nutzer die Diagnose und mögliche Tipps zur Behandlung der Pflanze.      

Derzeit gibt es die App für Android-Smartphones und in 18 Sprachen, nicht jedoch auf Deutsch. „Unsere Märkte sind dort, wo es eine hohe Smartphone-Dichte auf dem Land und viele Kleinbauern gibt“, sagt Gründerin Strey. Zielgruppe der App sind insbesondere Kleinbauern in Schwellen- und Entwicklungsländern, die Flächen von bis zu zehn Hektar bewirtschaften. 80 Prozent der über einer Million Nutzer von Plantix kommen aus Indien. Dort sind 200 bis 300 Millionen Menschen direkt oder indirekt in der Landwirtschaft tätig. Zugleich ist in Indien mobiles Internet weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind rund 462 Millionen Inderinnen und Inder online und verwenden dafür ein mobiles Endgerät. Für den Erfolg von Plantix ist das ein entscheidender Faktor.

„Ein Unternehmen, dass die Welt verändern kann“

Die Plantix-App gewann 2017 den mit 50.000 Euro dotierten CeBIT Innovation Award und wurde im selben Jahr von der Zeitschrift Fortune in der Liste der sechs Unternehmen, die die Welt verändern können, genannt. 2018 erhielt PEAT den World Summit Award der Vereinten Nationen. Aktuell beschäftigt das Unternehmen 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wovon 50 in Berlin arbeiten. Es kooperiert mit den Unternehmen CIMMYT, zalf, CABI und dem internationalen Forschungsinstitut ICRISAT.

PEAT GmbH

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Wie die Plantix-App zu höheren Ernteerträgen weltweit beitragen kann.