Strategischer Einsatz von KI für unternehmerische Nachhaltigkeitsziele

Digitalisierung und der Einsatz von KI können helfen, den Ressourcenverbrauch von Unternehmen zu reduzieren. Im Sinne der Nachhaltigkeit dürfen diese Einsparungen aber nicht an anderer Stelle verbraucht werden. Der Einsatz von KI-Technologien muss somit stets vor dem Hintergrund des hohen Energie- bzw. Ressourcenverbrauchs, den potenziellen Einsparungspotenzialen sowie in Anbetracht von Unterschieden zwischen Trainings- und Einsatzphase eines KI-Systems abgewogen werden. Eine gelungene integrierte KI- und Nachhaltigkeitsstrategie optimiert den Energieverbrauch und senkt Kosten.

In fünf Schritten zu einer integrierten KI- & Nachhaltigkeitsstrategie

1. Status- / Umfeldanalyse | Schritt eins: Die eigene Wertschöpfungskette durchleuchten. Es gilt zu evaluieren, was Nachhaltigkeit für das Unternehmen bedeutet und welche Rolle der Einsatz digitaler Technologien und insbesondere KI dabei spielen – im Sinne einer Lösung, aber auch als Herausforderung für das Nachhaltigkeitsmanagement. Dabei sind auch die eigene Marktposition und Wettbewerber in den Blick zu nehmen. Wichtig ist auch, alle relevanten internen und externen Stakeholdergruppen und ihre Erwartungen berücksichtigen.

2. Bestimmung der Nachhaltigkeitsziele | Welche Nachhaltigkeitsziele verfolgt das Unternehmen, welche Schwerpunkte sollen definiert werden? Welche dieser Ziele wirken sich wesentlich auf Geschäftsmodell, Belegschaft, Gesellschaft und Umwelt aus? Diese Fragen in einem zweiten Schritt zu klären. Die Dimensionen ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sollten hier differenziert betrachtet und ESG-Kriterien berücksichtigt werden. Für konkrete Ziele sollten bereits auch Benchmarks und ein zeitlicher Horizont definiert werden.

3. Impact Check | Zur Prüfung, wo im Sinne der Nachhaltigkeit Anpassungsbedarf bei Produkten, Diensten oder unternehmerischen Prozessen besteht, können die UN-Nachhaltigkeitsziele als Referenzrahmen dienen. Energiemanagement, Ressourcenverbrauch, Einsatz von Rohstoffen, Arbeitsbedingungen bei Zulieferern – ein detailliertes Unternehmensprofil kann aufdecken, wo Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette liegen. Zugleich sollte evaluiert werden, wie soziale Nachhaltigkeit im Unternehmen erhöht werden kann, etwa in Bezug auf Arbeitsstandards oder Chancengleichheit.

4. Adaption der KI-Strategie | Je nach digitalem Reifegrad des Unternehmens wird im nächsten Schritt eine KI-Strategie entwickelt bzw. an das Nachhaltigkeitsmanagement angepasst. Die KI-Einsatzfähigkeit bemisst sich an technischen Komponenten, vorhandener Infrastrukturen, der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und der Kompetenz der Beschäftigten. Wichtig zu klären ist auch: Welche Daten liegen im Unternehmen bereits vor, welche gilt es künftig zu erheben? Zu beachten sind zudem ethische Fragen, etwa in Bezug auf menschliche Intervention und Überwachung von KI-Systemen.
Die KI-Strategie definiert die übergeordneten Ziele, die mit dem Einsatz von KI verfolgt werden sollen – etwa die Optimierung von Produkten oder Prozessen, die Erhöhung von Umsatz oder Gewinn, Kostensenkungen oder die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle. Dabei gilt abzuwägen, wo und in welchem Ausmaß KI sinnvoll eingesetzt werden kann. Durch Datenaufbereitung und -verarbeitung kann KI auch das Nachhaltigkeitsmanagement selbst unterstützen. Die KI-Strategie sollte mit der allgemeinen Unternehmens- und der Nachhaltigkeitsstrategie im Einklang stehen, konkrete Ziele benennen, die organisatorisch, zeitlich, finanziell und durch personelle Ressourcen berücksichtigt werden.

5. Verknüpfung von KI-Strategie und Nachhaltigkeitsmanagement | Welche Prozesse sich durch den Einsatz von KI nachhaltiger gestalten lassen – etwa durch vorausschauende Wartung, Informationsmanagement im Unternehmen etc. – sollte mit Blick auf branchenspezifische Herausforderungen und unternehmerische Besonderheiten analysiert werden. Zu beachten ist, dass die Umsetzung verschiedener Use Cases nicht automatisch auf die unternehmerischen Nachhaltigkeitsziele einzahlt. So muss etwa der Energieverbrauch durch den Einsatz von KI berechnet und abgewogen werden. Sind KI-Lösungen implementiert, müssen diese laufend gepflegt und weiterentwickelt werden sowie ggf. neue Daten erhoben oder neue Datenquellen erschlossen werden. Auch veränderte Kundenwünsche müssen im Blick behalten und Produkte/Services ggf. angepasst werden. Mitarbeiterbezogene Maßnahmen zum Einsatz digitaler Technologien sowie unternehmerische Nachhaltigkeitsziele sollten dauerhaft in die Organisation integriert werden, damit Beschäftigte den digitalen, nachhaltigen Wandel des Unternehmens aktiv mitgestalten können. Unternehmen müssen zudem stetig prüfen, ob sich verändernde Bedingungen eine Anpassung von Nachhaltigkeitszielen oder der KI-Strategie erfordert.

Fallbeispiele

Im Folgenden werden Beispiele aus Unternehmen vorgestellt, die ihre KI- und Nachhaltigkeitsstrategie miteinander verknüpfen.

Infineon: Innovatives Energiemanagement und virtuelle Qualitätskontrolle

Die Förderinitiative KMU-innovativ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bietet Mittelständlern einen vereinfachten und schnellen Zugang zu Fördermitteln und eignet sich insbesondere auch für Förderneulinge. Ein Lotsendienst beantwortet alle Fragen der Antragsteller, die Begutachtung von Projektskizze und Prüfung des Antrags dauert jeweils zwei Monate. Gefördert werden innovative Projekte mit hohe Verwertungschancen aus folgenden Technologiefeldern: Biotechnologie, Elektronik, Autonomes elektrisches Fahren, Forschung für die zivile Sicherheit, Informations- und Kommunikationstechnologien, Materialforschung, Medizintechnik, Mensch-Technik-Interaktion, Photonik und Quantentechnologien, Produktion, Ressourceneffizienz und Klimaschutz

Bosch: Optimierter Ressourcenverbrauch und intelligente Alltagslösungen

Das Förderprogramm Digital Jetzt – Investitionsförderung für KMU bietet kleinen Mittelständlern finanzielle Zuschüsse, um Investitionen in die Digitalisierung anzuregen. Bewerben können sich mittelständische Unternehmen aus allen Branchen (inklusive Handwerksbetriebe und freie Berufe) mit 3 bis 499 Beschäftigten. Gefördert werden Investitionen in digitale Technologien und damit verbundene Prozesse und Änderungen im Unternehmen. Hierzu gehören insbesondere Hard- und Software, welche die interne und externe Vernetzung der Unternehmen fördern, z.B. datengetriebene Geschäftsmodelle, Künstliche Intelligenz (KI), Cloud-Anwendungen, Big Data, Sensorik, 3D-Druck sowie IT-Sicherheit und Datenschutz. Gefördert wird zudem die Qualifizierung der Beschäftigten, insbesondere zur Erarbeitung und Umsetzung einer digitalen Strategie, zu IT-Sicherheit und Datenschutz sowie grundsätzlich zu digitalem Arbeiten.

Continental: Effiziente Computercluster und Optimierung interner Arbeitsprozesse

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist mit jährlich über 3.000 Technologieentwicklungs-Projekten das größte Programm der Bundesregierung zur Förderung des innovativen Mittelstandes. Es unterstützt branchen- und themenoffen marktorientierte technische Forschungs- und Entwicklungsprojekte von KMU und deren Kooperationspartnern aus der Forschung (inkl. Hochschulen). Gefördert werden Einzelprojekte, nationale bzw. internationale Kooperationsprojekte oder Innovationsnetzwerke. Etwa 75 Prozent der geförderten Unternehmen haben weniger als 50 Beschäftigte. Die Vernetzung der Akteure spielt eine wichtige Rolle.

Mosca: Datenminimalismus und sparsame KI-Modelle

Mit dem Programm KI4KMU unterstützt das BMBF risikoreiche industrielle Forschungs- und vorwettbewerbliche Entwicklungsvorhaben von KMU auf dem Gebiet der KI, die ohne Förderung nicht oder nur deutlich verzögert durchgeführt werden könnten. Damit soll erreicht werden, dass deutlich mehr KMU vor allem aus dem IKT-Bereich ihre Innovationsfähigkeit zur Umsetzung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in eigene Forschungsergebnisse und industrielle Anwendungen ausbauen und so ihre Wachstums- und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Insbesondere sollen KMU beim beschleunigten Technologietransfer aus dem vorwettbewerblichen Bereich in die praktische Anwendung gestärkt werden.