„KI nutzen!“: Die Region Kiel zeigt Wege für den erfolgreichen KI-Einsatz in Unternehmen
Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet Unternehmen vielfältige Chancen – von effizienteren Prozessen über neue Geschäftsmodelle bis hin zur Entlastung von Beschäftigten. Während einige Unternehmen in der Region Kiel KI bereits erfolgreich einsetzen, stehen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Start-ups vor der Herausforderung, die Technologie sinnvoll und mit vertretbarem Aufwand in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren. Wie dies gelingen kann und welche Rolle Qualifizierung, Mitbestimmung und regionale Netzwerke dabei spielen, diskutierten Fachleute aus regionalen Unternehmen wie TKMS, Verbänden, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft beim Diskussionsabend „KI nutzen! Potenziale für Betriebe in der Region Kiel“ am 2. Juli in Kiel. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der VDI Technologiezentrum GmbH und der Plattform Lernende Systeme organisiert.
Vor rund 90 Teilnehmenden präsentierte sich Kiel als leistungsfähiger KI-Standort mit einem starken Innovations- und Fördernetzwerk. Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft, Verbänden und Sozialpartnerschaft betonten, dass der Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft entscheidend ist, um Innovationen in die betriebliche Praxis zu bringen. Praxisbeispiele – vom Chatbot über Reinigungsroboter, Schweißsimulator bis hin zu Anwendungen in Einkauf, Produktion und Vertrieb – machten deutlich, wie vielfältig KI bereits in den Unternehmen in der Kieler Region eingesetzt wird.
Im ersten Panel stand die Frage im Mittelpunkt, was unter Künstlicher Intelligenz überhaupt zu verstehen ist. Professor Jens Lüssen von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kiel machte deutlich, dass Anwendungen wie ChatGPT nur einen kleinen Teil der KI-Technologien abbilden. Ein fundiertes Verständnis der unterschiedlichen KI-Verfahren sei Voraussetzung für ihren verantwortungsvollen und erfolgreichen Einsatz. Gleichzeitig wies er auf noch bestehende Herausforderungen hin – etwa Halluzinationen generativer KI oder Fragen der technologischen Souveränität.
Die Unternehmensvertreterinnen und -vertreter schilderten anschließend ihre Erfahrungen. Datenschutz, Informationssicherheit, Betriebsgeheimnisse, Abhängigkeiten von großen Technologieanbietern sowie Unsicherheiten bei den Beschäftigten gehören ebenso zu den Herausforderungen wie fehlende Zeit und finanzielle Ressourcen, insbesondere in Start-ups. In der Diskussion bestand Einigkeit darüber, dass KI bereits heute ein wichtiger Treiber der wirtschaftlichen Transformation ist. Um Potenziale zu erschließen, sollte ihr Einsatz anhand konkrete Anwendungsfälle erprobt werden – idealerweise begleitet durch spezialisierte Beratungs- und Transferangebote.
Ein zentrales Thema der Diskussion war die Qualifizierung der Beschäftigten. KI liefert Ergebnisse, die fachlich eingeordnet und kritisch bewertet werden müssen. Gerade jüngere Fachkräfte benötigen dafür neben technischem Wissen auch ein tiefes Verständnis von Prozessen und Zusammenhängen. Die Diskutierenden sprachen sich deshalb für eine umfassende Bildungs- und Qualifizierungsoffensive aus – von der Schule über die Hochschulen bis zur beruflichen Weiterbildung.
Der Tenor der Diskussion war eindeutig: KI ersetzt den Menschen nicht, sondern unterstützt ihn. „KI ist ein Werkzeug, nicht mehr, nicht weniger: Richtig eingesetzt kann sie Wissenslücken schließen, repetitive Aufgaben übernehmen und Beschäftigte entlasten“, so Dr. Frank Scholz, Geschäftsführer der CITTI Handelsgesellschaft. Voraussetzung dafür sei jedoch, den Menschen konsequent in den Mittelpunkt der Transformation zu stellen und den Wandel gemeinsam mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen zu gestalten. Auch bestehende Sorgen vor Arbeitsplatzverlust müssten ernst genommen werden. Berufsbilder werden sich durch den Einsatz von KI verändern, „aber klassische Schweißer wird es auch in fünf Jahren noch geben“, so Cem Selvi, Ausbildungsleiter bei TKMS.
Damit KI insbesondere im Mittelstand stärker genutzt werden kann, sind passende Rahmenbedingungen erforderlich. Angesichts von rund 123.000 KMU in Schleswig-Holstein und begrenzten Beratungsressourcen „braucht es langfristige Förderprogramme, eine stärkere Qualifizierung sowie Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und Talentbindung vor Ort in der Region“, betonte Carsten Robitzki, Geschäftsführer des Start-ups SNAIC. Ebenso wichtig ist die enge Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern, die Unternehmen und Beschäftigte bei der Gestaltung des Wandels unterstützen. Gemeinsam mit ihnen setzen sie sich mit Fragen auseinander, wie sich Berufsbilder verändern, welche Arbeitsplätze künftig entstehen und wie die Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI-Systemen verantwortungsvoll gestaltet werden kann, wie Stephanie Schmoliner, Geschäftsführerin der IG Metall Kiel, und Ingo Scheuse, Hauptgeschäftsführer vom Unternehmensverband Kiel, besonders hervorhoben.
Beim anschließenden Get-together nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit zum Austausch und zur Vernetzung. Regionale Partner präsentierten in einer Mini-Messe KI-Anwendungen zum Ausprobieren – darunter ein virtuelles Schweißtraining und einen KI-Service-Roboter. Beteiligt waren unter anderem die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel, KI.SH, TKMS, SNAIC, die CITTI-Handelsgesellschaft, die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein, die Kreishandwerkerschaft Kiel sowie der VDI Schleswig-Holstein.
Die Veranstaltung in Kiel war Teil der Veranstaltungsreihe „KI nutzen! Potenziale für Betriebe in ihren Regionen“. Mit dem Format wollen die VDI Technologiezentrum GmbH und die Plattform Lernende Systeme den Austausch in den Regionen fördern und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen praxisnahe Orientierung für den KI-Einsatz bieten. „Wir nehmen regionale Förderung ernst und es ist uns wichtig, mit den regionalen Unternehmen in den Austausch zu gehen“, so Dr. Alexander Heußner vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die eng mit der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) verzahnte Veranstaltungsreihe wird am 17. September in Mainz mit der Veranstaltung „KI nutzen! Potenziale für Betriebe in der Region Mainz“ fortgesetzt.
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Petra Brücklmeier
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