KI in Medizin und Pflege: Chancen verantwortungsvoll nutzen

Künstliche Intelligenz (KI) kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Medizin und Pflege leisten. Wo die größten Potenziale und Hürden für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen liegen und was wir tun müssen, um das technisch Mögliche verantwortungsvoll zu nutzen, diskutierten KI-Experten beim dritten Webtalk der Reihe „KI.Impulse“ der Plattform Lernende Systeme. Die Veranstaltung, die am 16. Dezember in der Urania Berlin und virtuell stattfand, wurde von Berlin Partner und dem Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg unterstützt.

V.l.n.r.: Klemens Budde (Charité), Matthieu-P. Schapranow (HPI Potsdam), Alexander Meyer (Deutsches Herzzentrum), Moderatorin Anne Schwerk (CENTOGENE GmbH). Im eingeklinkten Bild: Güngör Kara (Ottobock).

KI-Assistenzsysteme können Medizinerinnen und Medizinern bei der Diagnose von Krankheiten helfen, Komplikationen im einzelnen Krankheitsverlauf prognostizieren oder bei der Entscheidung für die individuell beste Therapie unterstützen. In der Pflege erleichtert intelligente Spracherkennung die Pflegedokumentation der Fachkräfte und Präventionssysteme auf Basis von KI können verhindern, dass Patientinnen und Patienten stürzen. Grundlage all dieser KI-Systeme sind große Datenmengen, die mithilfe maschinellen Lernens in kurzer Zeit ausgewertet werden. Seit je her nutze die Medizin Daten um evidenzbasierte Diagnosen zu stellen oder Therapien zu wählen – sei es analog durch Mikroskope oder das Röntgen oder digital durch Ultraschall oder das MRT, erklärte Herzchirurg und Informatiker Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin. Im Zuge der Digitalisierung stehen immer mehr Daten aus der Umwelt, von smarten Geräten oder zum Patienten selbst zur Verfügung. Die Datenquellen seien heute vielfältiger denn je, betonte Meyer. KI sei ein mächtiges Werkzeug, um diese Daten zu nutzen. Auf kardiochirurgischen Intensivstationen könnte ein KI-System EKG-Daten, Blutdruck, und andere Vitalwerte von Patienten überwachen und vor postoperativen Komplikationen noch vor dem Auftreten erster Symptome frühzeitig warnen.

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Vielseitige Einsatzmöglichkeiten: Personalisierte Orthopädie und Nachsorge von Herzoperationen

Liegen ausreichend Daten zu einer Patientin oder einem Patienten vor, lässt sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz ein digitaler Zwilling erstellen, also ein exaktes virtuelles Abbild des Menschen, das eine individualisierte medizinische Behandlung ermöglicht. Wie auf diese Weise zum Beispiel maßgeschneiderte Prothesen gefertigt und angepasst werden können, erläuterte Güngör Kara, Chief Digital Officer von Ottobock und Mitglied des Lenkungskreises der Plattform Lernende Systeme. In der medizinischen Praxis können in naher Zukunft KI-Assistenzsysteme weltweite Patientendaten und Studien in ihre Analysen einbeziehen und auf dieser Basis Ärztinnen und Ärzten Empfehlungen für Diagnosen und Therapien geben. Bei Beratungen über die beste Therapie können Medizinerinnen und Mediziner nicht nur das Wissen beispielsweise eines Tumor-Boards im Raum, sondern das gebündelte Weltwissen aktivieren, so Klemens Budde, leitender Oberarzt der Charité Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe „Gesundheit, Medizintechnik, Pflege“ der Plattform Lernende Systeme.

Kompetenten Umgang mit Wahrscheinlichkeiten lernen

Um das Potenzial der KI-Systeme auszuschöpfen, müssen Medizinerinnen und Mediziner sowie Pflegefachkräfte jedoch für deren Einsatz geschult werden. So verlange KI sinnvoll mit Wahrscheinlichkeiten umzugehen, sagte Matthieu Schapranow, Software-Ingenieur am Digital Health Center des Hasso-Plattner-Instituts und Mitglied der Plattform Lernende Systeme. Ein KI-Assistenzsystem bietet keine hundertprozentige Sicherheit, dass seine Empfehlung eine korrekte Diagnose oder den gewünschten Therapieerfolg liefert. Schlussendlich muss der Mensch entscheiden, ob er sich der KI-Empfehlung anschließt und welche die beste Wahl für seinen Patienten ist. Das muss sich in der Ausbildung widerspiegeln, forderte Schapranow in der Diskussion mit dem Publikum.

Neben einem kompetenten Umgang mit den Systemen im Einsatz unterstrichen die Experten, dass KI-Anwendungen auch verantwortungsvoll entwickelt werden müssen. Die Qualität der Trainingsdaten, der Schutz der sensiblen Patientendaten sowie internationale Standards für die Datenerhebung kamen hier zur Sprache.

Einig waren sich die KI-Experten bei der Rolle des Menschen in der Medizin der Zukunft: KI-Systeme sind hilfreiche Werkzeuge bei Routinetätigkeiten und Datenauswertung, können medizinische Fachkräfte aber nicht ersetzen. Ihnen fehle menschliche Intuition und der Blick aufs Besondere, so Schapranow.

Weitere Informationen:

Linda Treugut / Birgit Obermeier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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