DMEA 2026: Ausbildung für und mit KI – Gesundheitsberufe im Wandel
Künstliche Intelligenz (KI) bietet große Potenziale, das Gesundheitssystem auf mehreren Ebenen zu entlasten. Damit diese Potenziale bestmöglich genutzt werden, müssen Gesundheitsfachkräfte befähigt werden, KI kompetent einzusetzen. Zukünftig wird die Ausbildung daher eine ganzheitliche Entwicklung von KI-Kompetenzen erfordern. Über die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen diskutierten Expertinnen und Experten der Plattform Lernende Systeme am 21. April vor rund 120 Gästen auf der Fachmesse für digitale Gesundheit DMEA 2026 in Berlin.
Welche Anforderungen und Herausforderungen entstehen in der Ausbildung von Gesundheitsfachkräften durch einen verstärkten KI-Einsatz im Gesundheitswesen? Diese Frage stand im Zentrum des Panels der Plattform Lernende Systeme, moderiert von Klemens Budde, Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik und Professor an der Charité Universitätsmedizin Berlin. Auf dem Podium brachten Björn Eskofier, Leiter des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin am Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München, Sarah Osterburg, Head of Data Science & Cloud Solutions bei Ottobock, und Andrea Schmidt-Rumposch, Pflegedirektorin und Mitglied des Vorstands der Universitätsmedizin am Universitätsklinikum Essen, ihre Perspektive aus Forschung, klinischem Alltag und Unternehmenspraxis ein.
KI-Kompetenz als Schlüssel in der Ausbildung
KI-Kompetenzen werden in der Ausbildung von Gesundheitsfachkräften zunehmend wichtiger, sind bislang jedoch meist nur punktuell in bestehenden Curricula verankert. „KI zu nutzen ist nicht wie Autofahren, ein pauschales Vertrauen funktioniert nicht“, betonte Björn Eskofier gleich zu Beginn und hob hervor, dass es vor allem ein tiefes Verständnis der Technologie und ausgeprägte Bewertungskompetenz brauche. Statt eines „KI-Führerscheins“ gehe es um kontinuierlichen Kompetenzerwerb: „KI verstehen und einsetzen, das wird im Berufsalltag entscheidend sein.“
Auch in der Pflege wird dieser Ansatz bereits umgesetzt: In Studiengängen wie dem Bachelor of Nursing am Universitätsklinikum Essen lernen Fachkräfte in Modulen zur digitalen Pflege, Daten und KI-gestützte Vorschläge kritisch einzuordnen. „KI kann Daten analysieren und Vorschläge liefern, aber die abschließende Bewertung liegt immer bei der Pflegekraft “, so Andrea Schmidt-Rumposch.
Bewertungskompetenz statt Deskilling
Die Diskussion um ein mögliches „Deskilling“ durch Künstliche Intelligenz in der Gesundheitsversorgung wurde von den Expertinnen und Experten differenziert bewertet. „Eine Technisierung des Pflegeberufs steht nicht im Raum“, stellte Andrea Schmidt-Rumposch klar. Vielmehr entlaste KI durch Automatisierung, etwa in der Dokumentation, und schaffe dadurch mehr Zeit für die Arbeit am Patienten. Ziel sei es, Pflege weiterhin nah am Menschen zu halten und gleichzeitig Innovation in die Versorgung zu bringen.
Mit dem KI-Einsatz verändern sich die Anforderungen an Fachkräfte. Neben fachlichem medizinischem Grundlagenwissen rückt zunehmend die Fähigkeit in den Fokus, KI-Ergebnisse kritisch zu einzuordnen. „Bewertungskompetenz ist und bleibt die menschliche Kernkompetenz“, so Björn Eskofier.
Neben technologischen Fragen wurden auch strukturelle Herausforderungen deutlich. Zwar seien Daten und Infrastruktur in vielen Einrichtungen vorhanden, entscheidend sei jedoch deren zielgerichtete und strategische Verankerung in Prozesse. „Die Technik ist verfügbar, die eigentliche Herausforderung liegt in Zeit, Personal und der langfristigen Integration in die Prozesse“, fasst Sarah Osterburg zusammen.
Für die Expertinnen und Experten steht fest: KI wird Gesundheitsberufe nicht ersetzen, aber grundlegend verändern. Die Ausbildung müsse darauf reagieren und einen stärkeren Fokus auf KI-Kompetenz legen.
Weitere Eindrücke finden Sie auf der Veranstaltungsseite.
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Petra Brücklmeier
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